Was ist Beziehungsanalyse?

Das Konzept der Beziehungsanalyse ist in erster Linie eine Weiterentwicklung der Psychoanalyse unter dem besonderen Gesichtspunkt der Beziehung zwischen Analytiker und Analysand, zwischen Psychotherapeut und Patient. In dieser Hinsicht ist die Beziehungsanalyse der modernen relationalen oder intersubjektiven Psychoanalyse vergleichbar, die ebenfalls die Beziehung zwischen Analytiker und Analysand als für den Veränderungsprozess besonders wichtig hervorhebt.

Die Beziehungsanalyse wurde seit 1970 von Thea Bauriedl entwickelt. Aufgrund der verschiedenen Arbeitsfelder, in denen Thea Bauriedl die unbewusste Interaktion zwischen helfenden Personen und den ihnen anvertrauten hilfebedürftigen Personen studierte, weist die Beziehungsanalyse Besonderheiten auf, die über die Erkenntnisse der relationalen Psychoanalyse hinausgehen. Das betrifft vor allem Erkenntnisse über die unbewusste Dynamik der Familienbeziehungen, aber auch über die Beziehungsdynamik in Gruppen, Institutionen, in Gesellschaft und Politik.

Damit ist die Beziehungsanalyse eine allgemeine Beziehungstheorie auf psychoanalytischer Grundlage, die alle zwischenmenschlichen Beziehungen betrifft. Die Beziehungsanalyse ermöglicht deshalb sowohl ein differenziertes Verständnis der unbewussten Interaktion zwischen Beziehungspartnern als auch Erkenntnisse über heilsame Vorgänge in helfenden Berufen. Wenn die Helfer sich darüber klar werden, was sich in der eigenen Person und in der Beziehung zu ihren Patienten oder Klienten abspielt, dann können sie diese Erkenntnisse nützen, um solche heilsamen Vorgänge in der Beziehung zu den beteiligten Personen und damit in diesen Personen selbst erfolgreich zu unterstützen.

In dem hier beschriebenen Zusammenhang geht es vor allem um ein analysierendes Verständnis helfender Beziehungen. Die Beiträge des Konzepts zur Beziehungsanalyse gesellschaftlicher und politischer Prozesse, insbesondere zur Friedens- und Konfliktforschung, kamen seit 1986 vor allem in den Aktivitäten des Instituts für Politische Psychoanalyse München (Leitung: Thea Bauriedl) zum Ausdruck. Als notwendige Ergänzung der beruflichen Tätigkeit in der Psychoanalyse und in anderen helfenden Berufen werden die Überlegungen zur Psycho- und Soziodynamik gesellschaftlicher und politischer Situationen und Ereignisse auch im Arbeitskreis Beziehungsanalyse München (AKBAM) beachtet und diskutiert.

Als Literatur für eine erste Orientierung über die Beziehungsanalyse empfehlen wir :

Bauriedl, Th. (1980): Beziehungsanalyse – das dialektisch-emanzipatorische Prinzip der Psychoanalyse und seine Konsequenzen für die psychoanalytische Familientherapie. Suhrkamp, Frankfurt/M. Dieses Buch ist leider vergriffen, also nur noch antiquarisch erhältlich.

Bauriedl, Th. (1994): Auch ohne Couch – Psychoanalyse als Beziehungsanalyse und ihre Anwendungen. Klett-Verlag, Stuttgart.

Bauriedl, Th. (1997): Die innere Welt des Psychoanalytikers. In: Herberth, F.; Maurer, J. (Hg.): Die Veränderung beginnt im Therapeuten. Anwendungen der Beziehungsanalyse in der psychoanalytischen Theorie und Praxis. Brandes & Apsel, Frankfurt/M. S. 11-40.

Weitere Literatur von Thea Bauriedl zu einzelnen Anwendungsformen der Beziehungsanalyse finden Sie in der umfangreichen Literaturliste dieser Website.



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